Regie-Impulse
Der MATRU-Blog
Zukunft gestalten! Das faszinierende ostafrikanische Zeitkonzept nach Mbiti
Kürzlich, irgendwo zwischen den roten Staubstraßen in Uganda und dem Schachern um die besten Mangos auf dem Markt, kam mir wieder John Mbiti in den Sinn. Der große ostafrikanische Religionsphilosoph beschreibt, dass in vielen regionalen Kulturen die Zeit kein unendlicher Korridor in die ferne Zukunft ist. Nein, Zukunft ist dort etwas, das noch gar nicht existiert – und auch nicht automatisch auf uns zukommt. Wir müssen Zukunft gestalten, damit sie überhaupt entsteht!
Es gibt Kati, das lebendige Jetzt, das die Gegenwart und eine kurze, greifbare Zukunft umfasst – wie ein Abend mit Freunden oder der Moment, wenn du auf einem Markt in Uganda frisches Obst kaufst. Dann gibt’s Edda, die weite Vergangenheit, wo Geschichten, Traditionen und Ahnen zu einem ewigen Fundament werden. Die ferne Zukunft? Die ist „keine Zeit“, solange sie nicht durch konkrete Ereignisse lebendig wird.
In unserem europäischen Hamsterrad, wo wir ständig fünf Schritte vorausplanen, verlieren wir oft den Moment. Mbiti sagt: Zeit entsteht durch das, was wir tun. Und hier ist der Kern: Wir müssen uns selbst verwirklichen und aktiv handeln, damit überhaupt Zukunft entsteht. Kein Warten auf den perfekten Job oder den idealen Moment – wir schaffen sie selbst, hier und jetzt.
Heidegger trifft Mbiti: Zeit als dein Entwurf
Auch der deutsche Philosoph Martin Heideggers sieht uns als ins „Dasein“ – geworfen in eine Welt mit Geschichte, manchmal gefangen im Alltag, aber mit einer Zukunft, die wir aktiv gestalten können. Für Heidegger ist die Zukunft kein ferner Punkt, sondern ein „Entwurf“: ein Raum, in dem wir uns selbst definieren, indem wir unsere Möglichkeiten ergreifen. Authentisch zu leben heißt, die Endlichkeit anzunehmen und entschlossen zu handeln. Klingt wie ein Echo von Mbiti, oder? Beide sagen: Die Zukunft entsteht nicht von allein – sie wächst aus deinem Tun.
Als Lebenskunst-Coach liebe ich diese Verbindung. Mbitis Sasa lädt uns ein, den Moment zu genießen – wie ein Spaziergang durch einen Park oder ein tiefes Gespräch bei einem Glas Wein. Heideggers Entwurf fordert uns auf, bewusst zu wählen, wie wir unser Leben gestalten, statt im Alltagstrott zu versinken. Stell dir vor, du bringst ein Stück Kampala in dein Leben: die Lebendigkeit des Jetzt, gepaart mit der Klarheit, aktiv deine Zukunft zu formen.
Praktische Tipps für dein europäisches Leben
Wie kannst du das in deinem Alltag umsetzen, egal ob in Hamburg, Berlin, Madrid oder einem kleinen Ort? Hier sind ein paar Übungen, die ich in meinem Coaching nutze, inspiriert von Kampala und der Philosophie:
- Kati-Momente einfangen: Nimm dir 10 Minuten, vielleicht in einer ruhigen Mittagspause, und schreib drei Dinge auf, die deinen Tag besonders gemacht haben. Was hast du gefühlt, was war bedeutend? Das schärft dein Bewusstsein für das Jetzt, wie es in Kampala so natürlich passiert. Frage dich in Heideggers Sinne: Welche Möglichkeit wählst du gerade für dein Leben?
- Edda als Kraftquelle: Denke an ein Ereignis aus deiner Vergangenheit – ein Erfolg, ein Moment mit deiner Familie, eine Reise. Wie prägt das, wer du bist? Notiere es und überlege: Wie kann diese „ewige“ Geschichte dich heute inspirieren, aktiv zu werden? Das ist wie die Ahnenverehrung in Uganda, die Kraft aus der Vergangenheit schenkt.
- Aktiv die Zukunft gestalten: Wähle eine kleine Handlung für heute – ein Telefonat mit jemandem, den du lange nicht gesprochen hast, oder ein neues Hobby ausprobieren. Beobachte, wie das dein Ich formt – und damit deine Zukunft! Heidegger würde sagen: Das ist dein authentischer Entwurf.
Ich hatte eine Klientin, die in einer europäischen Stadt unter Dauerstress stand – immer auf dem Sprung, immer zukunftsfixiert. Durch diese Übungen hat sie gelernt, die kleinen Kati-Momente zu schätzen, wie einen Kaffee mit Kollegen, und aus ihrer Vergangenheit Kraft zu ziehen, etwa aus den Werten, die ihre Großeltern ihr mitgegeben haben. Plötzlich fühlte sie sich freier, handlungsfähiger – und ihre Zukunftspläne wurden klarer, weil sie aus ihren bewussten Taten wuchsen.
Deine Zeit, dein Handeln
Ob in den belebten Straßen von Kampala oder in deinem europäischen Alltag – Mbiti und Heidegger erinnern uns: Zeit ist kein Fluss, der an uns vorbeirauscht. Sie entsteht durch uns, durch das, was wir tun. Wir müssen uns selbst verwirklichen und aktiv werden, damit überhaupt Zukunft entsteht. Also, was ist dein nächster Schritt? Vielleicht ein bewusster Moment beim nächsten Spaziergang oder ein mutiger Entschluss, etwas Neues zu wagen.