Regie-Impulse
Der MATRU-Blog
Was alte Trickfilmästhetik mit Freiheit, Selbstdenken und Lebenskunst zu tun hat
Manche Filme beeindrucken – und sind am nächste Tag vergessen. Andere fesseln uns erst im Nachhinein – und bleiben.
Nicht, weil sie besonders unterhaltsam waren, sondern weil sie etwas in uns in Bewegung gesetzt haben. Watership Down zum Beispiel. Ein Zeichentrickfilm über Kaninchen auf der Flucht – eher düster als bunt lackiert und gleichzeitig ein poetisches Stück Erzählkunst – leicht und doch voller Tiefe, wo heutige Trickfilme meist nur noch rührselig sind – statt zu berühren.
Nur das, was nicht sofort gefällig ist, bringt uns wirklich weiter.
Das Widerständige – das, was sich nicht sofort erschließt –, macht uns frei, weil es uns zum Denken, Fühlen, Entscheiden zwingt.
In einer Welt voller bunter Oberflächen lohnt es sich, das zu suchen, was nicht auf den ersten Blick überzeugt. Sondern auf den zweiten. Oder dritten. Und genau das ist der Weg zu Tiefe, Freiheit – und echter Lebenskunst.
Ästhetik ist nicht Deko, sondern Erfahrung
In der Philosophie – bei Schiller, aber auch später bei Foucault – ist Ästhetik ein ernstzunehmender Erfahrungsraum. Schiller schrieb über die „ästhetische Erziehung des Menschen“: Wer lernt, sich berühren zu lassen – nicht durch das Angenehme, sondern durch das Bedeutungsvolle – entwickelt seine Freiheit.
Ästhetik, die fordert, ist eine Schule des Selbstdenkens.
Ein Film wie Watership Down lässt uns existenzielle Fragen spüren:
Was heißt Überleben? Was bedeutet Gemeinschaft? Was ist Hoffnung – trotz Angst?
Das ist keine süße Geschichte. Aber eine, die uns bildet. Im tiefsten Sinn des Wortes.
Disney – glatt, harmonisch, harmlos?
Disney erzählt klar strukturierte Geschichten: Held, Problem, Lösung, Happy End.
Künstlerisch brillant – aber oft ästhetisch entwaffnend harmlos.
Die Welt wird geordnet präsentiert – und das Denken gleich mit.
Foucault würde sagen: Das ist ein Dispositiv – eine kulturelle Struktur, die uns vorgibt, was gut und richtig ist.
So verlieren wir Übung darin, Ambivalenz auszuhalten, eigene Schlüsse zu ziehen, mit Brüchen zu leben.
Widerstand erzeugt Freiheit
Im Coaching geht es oft um genau das: wieder in Kontakt kommen mit sich selbst – jenseits von Schönfärberei.
Ich arbeite deshalb gern mit Bildern, Szenen, Texten, die nicht sofort klar sind.
Denn: Nur was sich nicht sofort einfügt, führt uns zu uns selbst zurück.
In Watership Down liegt Schönheit – aber auf den ersten Blick verborgen.
Nicht als dekorativer Reiz, sondern als Resonanzraum: für Angst, Mut, Natur, Tod und Hoffnung.
Diese Art von Ästhetik macht uns nicht bequem – sondern wach.
Sie ist unbequem. Aber befreiend.
Lebenskunst heißt: sich dem Nicht-Offensichtlichen stellen
Lebenskunst bedeutet nicht: sich angenehm einrichten.
Sondern: lernen, selbst zu sehen, zu fühlen, zu urteilen – auch gegen den Strom.
Die blankgeschliffene Ästhetik der Gegenwart (in Medien, Werbung, Storytelling) lullt uns ein.
Aber Entwicklung beginnt dort, wo etwas nicht stimmt.
Wo etwas stört, kratzt, sich sperrt.
Dort, wo du sagen musst: „Moment mal. Das will ich genauer wissen.“
Die glatteste Oberfläche bringt uns selten in die Tiefe.
Nur das Widerständige, das Uneindeutige, das erst auf den zweiten Blick Schöne – das bringt uns weiter.
Weil es uns auffordert, mitzudenken. Mitzufühlen.
Und uns nicht einfach in schöne Bilder zurückzulehnen, sondern selbst Autor unserer Geschichte zu werden.
👣 Lust, dich auf diesen Weg zu machen?
Im philosophischen Coaching arbeiten wir genau damit:
Nicht mit Rezepten. Sondern mit Fragen, Bildern, Gedanken – und der Einladung, dich selbst neu zu entdecken.
Mit Tiefe. Und Leichtigkeit.
Wie im echten Leben.