Regie-Impulse
Der MATRU-Blog
Der Tempel auf dem Kikaya-Hügel
Es war Anfang der 1950er-Jahre, als eine Handvoll Menschen aus fernen Ländern – darunter Geschäftsmann Músá Banání und seine Frau Samiheh aus dem fernen Osten – ihre Koffer packten und nach Uganda zogen. Sie hatten eine Mission: die Botschaft von Einheit und Frieden, die Bahá’u’lláh verkündet hatte, in Afrika zu verbreiten. Bahá’u’lláh – das war der Gründer der Glaubengruppe der Bahá’í . Der zentrale Grundsatz der Bahá’í ist die Überzeugung, dass alle Menschen eine einzige Familie bilden. Unterschiede in Rasse, Religion oder Kultur werden als Bereicherung gesehen, nicht als Trennung. Konsequenterweise werden auch alle großen Weltreligionen – wie Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus oder Buddhismus – als von einem einzigen Gott stammend lediglich verschiedene Kapitel derselben spirituellen Entwicklung vorgestellt. Keine schlechten Prinzipien eigentlich.
Dem Ehepaar Banání und vielen anderen erschien Kampala, die geschäftige Hauptstadt am Victoriasee, als der perfekte Ort, um Wurzeln zu schlagen. Die Menschen dort waren neugierig, offen, und schon bald trafen sich kleine Gruppen in Wohnzimmern, um über diese neue Religion zu sprechen.
Eines Tages, 1953, versammelten sich Bahá’í aus aller Welt in einem bescheidenen Raum in Kampala. Es war keine gewöhnliche Zusammenkunft – es war eine der großen Konferenzen, die Shoghi Effendi, der Hüter ihres Glaubens, einberufen hatte. Zwischen Tee und lebhaften Gesprächen wurde eine Idee geboren: Afrika brauchte einen Tempel, einen Ort der Stille und des Gebets für den ganzen Kontinent. Aber wo sollte er stehen?
Músá wanderte mit seinen Freunden durch die Hügel rund um Kampala. Sie suchten etwas Besonderes. Eines Nachmittags, als die Sonne über dem grünen Kikaya-Hügel stand, blieben sie stehen. Der Ausblick war atemberaubend: weite Täler, der ferne Schimmer des Sees und eine Brise, die Ruhe mit sich brachte. „Hier“, sagte Músá, „hier soll es sein.“ Der Hügel war nicht nur schön, sondern auch zentral – ein Symbol dafür, dass dieser Tempel ganz Afrika verbinden sollte.
1958 wurde der Grundstein gelegt. Handwerker aus Uganda und darüber hinaus schufteten unter der tropischen Sonne, um die neunseitige Kuppel zu errichten, die so typisch für Bahá’í-Tempel ist. Die Einheimischen nannten es bald „den runden Tempel auf dem Hügel“. Als er 1961 eröffnet wurde, kamen Hunderte – manche zu Fuß, manche mit dem Fahrrad – um dieses Wunder zu sehen. Es war mehr als ein Gebäude; es war ein Versprechen von Einheit in einem Land, das bald durch schwere Zeiten gehen würde.
Und so steht er da heute noch, der Tempel auf dem Kikaya-Hügel, ein stiller Zeuge der Vision von ein paar Pionieren, die einen Hügel erklommen und beschlossen, dort etwas Bleibendes zu hinterlassen.